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31.01.2017 · Alle Beiträge ·

Ich bin freiwillig hier!
Der Spagat zwischen den Rollen

Viermal im Jahr heißt es für FSJlerinnen und FSJler: Koffer packen, Fahrgemeinschaften organisieren und los geht’s für eine Woche zum Seminar. Dort trifft man auf andere Freiwillige, die auch, wie man selbst, ein FSJ leisten. Grundlage für diesen Artikel waren Besuche und Interviews auf den ersten beiden Seminaren unserer Ganztagsschul-FSJler, die im Westerwald ihre Einsatzstelle haben. Auf den ersten Blick mag das Konzept der vier einwöchigen Seminare ein bisschen wie zusätzliche Urlaubswochen klingen. Es ist aber ein wichtiger Bestandteil des Freiwilligen Sozialen Jahrs. Hier werden in unterschiedlichen Themenblöcken wichtige Arbeitsfelder für die Arbeit an einer Schule gelegt.
Ziel der Seminararbeit ist es, die Freiwilligen zum einen in ihrer Arbeit zu unterstützen und zum anderen sie auf dem Weg der neuen Rollendefinition zu begleiten. Sicher stehen beide Punkte in einem unmittelbaren Zusammenhang. Gerade hier bildet das erste Seminar, das wenige Wochen nach den Sommerferien stattfindet, eine wichtige Schlüsselfunktion. Hier soll den FSJlerinnen und FSJlern, bildlich gesprochen, das Handwerkszeug in pädagogischen Crashkursen mitgegeben werden, um hinterher schwierige Situation mit Gruppen im Schulalltag zu meistern. Hierfür erarbeiten alle Freiwilligen in kleinen Workshops, zusammen mit geschulten Personen, das grundlegende Handwerkszeug für den Umgang mit Gruppen und schwierigen Kindern.

Die Gruppe muss sich erst finden.

Grundsätzlich ist das erste Seminar auch deswegen so wichtig und spannend, weil die Gruppe zum ersten Mal für längere Zeit aufeinandertrifft und Zeit hat, sich kennenzulernen. Hier wird der Grundstein für das Gruppengefühl des weiteren Jahres gelegt. Auf der anderen Seite erleben Freiwillige als Teil der Gruppe auch gleichzeitig, wie sich eine Gruppendynamik aufbaut und was dazugehört, eine solche Entwicklung aufzufangen. Hier ziehen Freiwillige wichtige Rückschlüsse auf die eigene Arbeit als FSJler in ihrer Schule.

Diese stellt viele Freiwillige vor eine große Herausforderung, weil sie mit dem Beginn des FSJ eine neue Rolle einnehmen. Auf einmal sind sie nicht mehr Schüler, wie die letzten zehn bis dreizehn Jahre, sondern müssen eine neue Rolle für sich finden. Oft befinden sich Freiwillige dabei im Spagat zwischen ihrer neuen Aufsichts- und Leitfunktion und der Rolle als Vertrauensperson für Schüler, auch wenn den FSJlern dieser Spagat oft nicht klar ist und sie sich selbst eher der einen oder anderen Personengruppe zugehörig fühlen.

Der Spagat im Schul-Alltag

Dieser Spagat spiegelt sich auch an vielen Schulen im alltäglichen Umgang wider. Auf der einen Seite werden Freiwillige von Lehrern als gleichberechtigte angesehen, die genauso ihre Arbeit mit den Kindern leisten und erziehend eingreifen dürfen, oftmals sind sie aber auch viel näher an den Kindern und Jugendlichen dran. Nicht zuletzt durch den geringeren Altersunterschied, aber auch durch ihre Förderaufgaben in Kleingruppen, werden Freiwillige von Schülern oft als Bezugsperson zurate gezogen. Gerade in dieser Funktion ist es schon für geschulte Personen schwierig, Kindern gegenüber, die in einer Situation noch von Problemen zuhause gesprochen haben, in einer anderen Situation als Autoritätsperson gegenüberzutreten, die bspw. das Rennen auf den Schulfluren unterbinden muss.

„Das Seminar hat mir geholfen, die eigene Rolle als Autoritätsperson und Leitfigur zu finden. Ich habe mich viel sicherer gefühlt, als ich ‚Nein‘ gesagt habe.“,

schildert Patrick, FSJler am Landesmusikgymnasium in Montabaur.

Neben der Rollendefinition und der Selbstsicherheit vor Gruppen ist ein dritter Aspekt des pädagogischen Crashkurses fast noch wichtiger: die eigenen Grenzen zu erkennen. Unsere Erfahrungen aus zehn Jahren Freiwilligendienst zeigen, dass FSJler an sich selbst hohe Ansprüche stellen. Sie wollen selbst in ihrem Schul-Alltag schwierige Situationen erkennen und meistern. Oft gehen Freiwillige aus solchen Situationen frustriert heraus, weil sie diese Situationen nicht zu ihrer eigenen Zufriedenheit meistern konnten.

Gerade die ersten Monate als FSJler in einer Ganztagsschule in Kombination mit den Erfahrungen des ersten Seminars lassen die Freiwilligen die Ansprüche an sich selbst relativieren. Sie werden realistischer. Auch Chiara, FSJlerin an der Bürgermeister-Raiffeisen-Grundschule in Weyerbusch hat diese Entwicklung durchlaufen:

„Das Seminar hat mich darin bestärkt, dass ich freiwillig da bin. Vorher hatte ich den Anspruch, dass alles perfekt laufen muss.“

Wenn man so will, ist die Kernaufgabe der Workshops, FSJlern Sicherheit für ihre tägliche Arbeit zu geben: Sicherheit auf der einen Seite, dass sie Kenntnisse an die Hand bekommen, schwierige Situationen zu meistern, Sicherheit aber auch auf der anderen Seite, dass sie auch erkennen, nicht jede Situation bewältigen zu müssen. Es ist schön zu sehen, wenn Freiwillige erkennen, wann und bei wem sie sich Hilfe suchen sollten und es auch können. Das stellt für Freiwillige eine wichtige Sicherheitsebene dar. Genau für solche Fälle stehen sowohl unsere Koordinatorinnen und Koordinatoren im Kulturbüro und die Mentorinnen und Mentoren in den Schulen zur Verfügung.

Infos
Du hast auch Lust, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu leisten? Dann kannst Du Dich gerne bei uns bewerben: Für ein FSJ an einer Ganztagsschule: www.fsj-ganztagsschule.de. Für ein FSJ in einer Kultureinrichtung: www.fsjkultur-rlp.de.

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