Digitale Bildung? Okay, aber nur als Ergänzung

Wir möchten nicht falsch verstanden werden – in diesem verrückten Jahr, in dem Seminare auch ersatzlos gestrichen werden mussten, sind wir froh über die vielen Möglichkeiten, die uns die digitale Welt bietet, um mit unseren Freiwilligen und mit den Einsatzstellen in Kontakt zu treten. Doch so dankbar wir auch sind, so deutlich wird uns jedoch auch jedes Mal, dass Zoom und Co lediglich eine Ergänzung zu unserer Bildungsarbeit sein sollten.

 

…ZWISCHENMENSCHLICHES

Der persönliche Austausch und die zwischenmenschliche Beziehungsarbeit mit den Freiwilligen kommen im digitalen Raum viel zu kurz. Und auch wenn wir uns größte Mühe geben, die digitale Bildungsarbeit abwechslungsreich zu gestalten, so merkt man zum Ende der Seminare doch, dass das Sitzen vor dem Bildschirm und das Starren auf den Monitor ganz andere Spuren hinterlässt, als Präsenzseminare: Sowohl uns Koordinierenden als auch den Freiwilligen geht es oft so, dass die Seminarzeit vor dem Bildschirm anstrengender und langsam vergehender erschien als im analogen Setting. Die Gruppendynamik, die wir glücklicherweise bei den vorherigen Seminaren in Präsenz bereits erlebt und aufgebaut haben, kann wenig weiter angefeuert werden. Ein Wir-Gefühl stellt sich somit oft weniger ein und wertvolle Zwischentöne und Erlebnisse, die man auf den Seminaren oftmals zufällig teilt, weil man zur selben Zeit am selben Ort ist, fallen weg.

 

…TECHNIK

Wenn die technische Ausstattung bzw. die Kenntnisse im Umgang damit fehlen, birgt digitale Bildung die Gefahr, Bildungsbenachteiligung zu verstärken. Viele Freiwillige besitzen lediglich ein Smartphone, so dass Laptops etc. gestellt werden müssen und auch ein Leihgerät garantiert nicht die reibungslose Teilnahme, da nicht in jedem Zuhause eine stabile Internetverbindung zur Verfügung steht.

…TOOLS

Wir Koordinierende haben uns nach einer kurzen Phase des Innehaltens während des ersten Lockdowns in eine Fülle an Tools eingearbeitet – unerschöpflich schienen die Möglichkeiten und alles wollte ausprobiert werden. Die Fortbildungen in diesem Bereich haben uns die Entscheidung glücklicherweise oft erleichtert und am Ende kam die Erkenntnis „Manchmal ist weniger mehr“. Viele Tools werden wir sicher auch in der Post-Corona-Bildungsarbeit nutzen, vor allem weil sie uns die Kommunikation und das Zusammenarbeiten erleichtern.

 

…BÜROALLTAG

Digitale Bildung in Zeiten von Corona beinhaltet unter anderem einen anderen bzw. oftmals weniger spontanen Austausch mit den Kolleg*innen, mehr Selbstorganisation und Multitasking. Im Home Office mussten insbesondere während des ersten Lockdowns viele aus unserem Team, insbesondere diejenigen mit Kindern, zwischen beruflichen und privaten Herausforderungen jonglieren.

…SEMINARHÄUSER & REFERENT*INNEN

Die Seminarhäuser, die wir genutzt hätten, mussten  bzw. müssen storniert werden, teilweise aufgrund der Infektionszahlen sehr kurzfristig, was wiederum für die Häuser und deren Planung große Umstände bereitet hat. Auch einige unserer Referent*innen, mit denen wir auf den Seminaren zusammenarbeiten, konnten wir nicht mehr bzw. nur teilweise in die online-Formate miteinbeziehen, da sie beispielsweise ausschließlich analog arbeiten.